
Medien & Veröffentlichungen
The Köln Visit
Die Besessenheit der Repetition
Architektur als retrospektivischen Klangraum zu begreifen ist hypnotisierend. Wer sich darauf einlässt, sieht in der metallenen Gebäudehülle des Museum Ludwig mehr als reine Fassadentechnik. Der konzentrierte Blick auf die überdimensionale Zink-Leinwand des renommierten Bauwerks öffnet Gedankenräume und zieht Kunstliebhaber sowie Musikenthusiasten in seinen Bann. Auf der Besucherterrasse des Museum Ludwig wandern meine Gedanken in die Vergangenheit. Zurück ins Jahr 1986 und hin zu den Fachberichten über eine der ersten Zinkfassaden in dermaßen großem Ausmaß. Seither fasziniert die markante Formensprache der Zink-Architektur Generationen von Handwerkern, Kunstliebhabern und vielleicht auch Musikenthusiasten. Warum? Weil hier aberhundert präzise gesetzte und von zahllosen Haften gehaltene Scharen einem rhythmischen Muster folgen. Unaufdringlich. Nur bei genauerer Betrachtung erkennbar. Falz. Falz. Leiste. Falz. Dazwischen wird das Leben sichtbar – haben 40 Jahre Spuren hinterlassen. „Wir feiern eine Party“ ist dort als flüchtige Botschaft eingeritzt. Und ein paar Zentimeter weiter grüßen Anne und Linda den Rest der Welt. Zahllose Informationen wie diese, hinterlassen von Museumsbesuchern aus vier Jahrzehnten, sind für die Ewigkeit in der Patina konserviert und bilden eine kollektive Skizzensammlung auf der Fassade. Für mich wird die ohnehin beeindruckende Zinkfassade somit zur Großleinwand. Unbewusst geschaffen als partizipative Kunstinstallation im öffentlichen Raum und getragen von einer majestätischen, geschwungenen Zinkhaut, die sich mit warmem Backsteinrot und dem Blau des Kölner Himmels zu einer perfekten Kulisse für ein weiteres Superlativ verbindet: Der künstlerischen Arbeit von Yayoi Kusama.

Der Punkt
Dass ich Gefallen an den Botschaften der Fassade finde, bleibt nicht unentdeckt. Ein kleines Mädchen fragt seine Mutter, warum der Mann die Wand und nicht die schönen Blumen fotografiert. Eine berechtigte Frage. Nur ein paar Schritte weiter entfaltet sich eine andere, eine schillernde Welt – laden Blumenskulpturen dazu ein, die aus Farben, Punkten und Rätsel bestehende Welt der Yayoi Kusama zu erkunden. Ganz ähnlich wie das Falzraster der Fassade folgt die künstlerische Ausdrucksweise Kusamas einem unendlichen Rhythmus. Brennt sich Punkt für Punkt für Punkt in das Bewusstsein ein. Vielleicht ist es genau diese Besessenheit der Repetition, die beide Welten miteinander verschmelzen lässt.
Wer sich auf Kusamas Methode einlässt, begreift ihre Kunst schnell als das, was sie ist – eine manisch-befreiende Wiederholung. Kusama malt sich den Schmerz und die Unendlichkeit von der Seele, indem sie Tupfen in absolut akribischer Besessenheit aneinanderreiht. Ihre Bilder und Skulpturen werden so zum schöpferischen Akt, der dem präzisen, zeitraubenden Setzen von Scharen und Haften im Metallhandwerk verblüffend ähnlich ist.
Wie sich dieser Rhythmus im Raum anfühlt, erlebe ich kurz darauf am eigenen Leib. Als ich den verspiegelten, von Tentakeln und Punkten durchzogenen Infinity Room betrete, verliere ich augenblicklich den Boden unter den Füßen. Mit dem Übertreten der Schwelle verschmelzen das Oben und das Unten. Kein Anfang. Kein Ende. Stattdessen Farbe. Licht. Reflexion. Schwindelerregende Weite. Es ist ein Moment, der mich tief berührt. Und der mich erkennen lässt, dass auch die Montage einer Zinkfassade etwas Magisches hat. Übrigens ebenso wie die Betrachtung der riesigen Zinkleinwand des Museums.
Mein Köln Konzert
Die visuellen Eindrücke des Infinity Room vermischen sich in diesem Moment nahtlos mit Musik. Nicht irgendeiner Musik, sondern mit den Klängen des legendären Albums The Köln Concert, die ich aus unerklärlichen Gründen genau in diesem Augenblick im Kopf habe. Unweit vom heutigen Museum Ludwig und dem Kölner Dom improvisierte Keith Jarrett 1975 ein akustisches Meisterwerk am Flügel. Es ist ein Soundtrack, der wie kein zweiter für pure Emotion und spielerische Ekstase steht. Und der in diesem Moment akustisch mit der Gebäudehülle des Museums sowie der Kunst Kusamas verschmilzt. Nachvollziehbar. Für mich unüberhörbar. Genial wie Kusamas Punkte. Gerastert wie die Großleinwand aus Zink. Jarretts Jazz-Improvisation macht das Metallhandwerk so greifbar wie selten zuvor. Die wenigen, wiederkehrenden Motivstrukturen und eine schier unendliche tonale Repetition erzeugen einen gewaltigen Klangkosmos – lassen Unendlichkeit wie Kusama aus Punkten und der Spengler aus Falzen, Leisten und präzise gesetzten Haften entstehen. In allen drei Genres dominiert die Kunst der bewussten Wiederholung. Einzelne Details greifen gezielt ineinander und erzeugen durch einen strengen Takt getrieben, organische, tonale und grenzenlose Freiheit.
Für mich wird das Museum Ludwig somit zum Gesamtkunstwerk für alle Sinne. Ich erlebe das Gebäude als handwerkliches Meisterstück des Fassadenbaus. Als zeitlose Leinwand für Kusamas unendliche Tupfen-Welten sowie für die Botschaften kunstbegeisterter Besucher. Zusammen mit dem passenden Soundtrack lasse ich einen Resonanzraum entstehen, der Zeit für einen Moment komplett aufzuheben in der Lage ist.

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ROST PLACES fordert Betrachter auf, herkömmliche Perspektiven zu wechseln. Wer sich darauf einlässt, kann Lackschichten entdecken, die sich unter anderen Lackschichten verbergen oder herausfinden, wie formschön einfache Regenrohre sind.




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StreetART
Das Schlagloch in meiner Fototasche
Für Auto- oder Fahrradfahrer sind sie ein absolutes Ärgernis – für mich sind sie wunderschön: Schlaglöcher! Vom Frost in die Fahrbahndecke gesprengte Unebenheiten und von Wind und Wetter gezeichnete Fahrbahnmarkierungen faszinieren mich. Kreativer Perspektivenwechsel ist mein Ticket zum Besuch neuer Welten. Den passenden Blickwinkel vorausgesetzt, gelingt es mir, innerhalb weniger Sekunden gedanklich nach Grönland zu reisen oder die nächste Kreuzung per Kontinentaldrift zu überqueren.

Komm mit auf die Reise…
… und entdecke Motive, die nur darauf gewartet haben, fotografiert zu werden: zum Beispiel an den Stoppstellen des Pforzheimer Rodgebiets oder auf dem Biosphären-Asphalt des Davoswegs. Auf dem beliebten Naherholungspfad der Goldstadt am Schwarzwaldtor entstanden meine Foto-Arrangements „Grün I“ und „Grün II“. Sie veranschaulichen beispielhaft, wie sich die Natur das durchaus abwechslungsreiche Asphaltgrau unablässig zurückerobert. Etwas Übung beim Betrachter vorausgesetzt, erinnern solche Unregelmäßigkeiten im städtischen Asphalt an die Form eines Erdteils oder an eine achtlos weggeworfene Flasche. Beim nächsten Besuch ist der Erdteil plötzlich verschwunden, weil der Frost des Winters ganze Arbeit geleistet hat. Das Flaschen-Schlagloch wurde indessen von Arbeitern des städtischen Bauhofs geflickt und quasi über Nacht in ein noch schöneres Patchworkmuster verwandelt. Ich wünsche mir, dass das Durchblättern des Bildbandes StreetArt seine Betrachter dazu inspiriert, auf dem nächsten Spaziergang die Vielfalt städtischer Straßen und Wege genauer zu erkunden. Bei der Entdeckung unbekannter Asphaltwelten wünsche ich viel Spaß und noch mehr Fantasie.
Von der Straße zum Kunstobjekt
Die Idee, das scheinbar Unscheinbare fotografisch in Szene zu setzen, reizt mich seit vielen Jahren. Entsprechend umfangreich ist mein Schlagloch-Bildarchiv. Meine erste Straßenaufnahme entstand in den frühen 1980er-Jahren. Sie zeigt eine mit dem Straßenbelag verschmolzene Getränkedose. Vom Sammler einzelner Fotos entwickelte ich mich zum Streetworker mit künstlerischem Verständnis für Asphalt im öffentlichen Raum. Gerade deshalb stellte die Produktion von StreetART eine große Herausforderung dar. Einerseits war es mir wichtig, offensichtlich banale Motive bestmöglich in Szene zu setzen. Andererseits wollte ich den Betrachtern größtmöglichen Spielraum für die eigene kreative Interpretation zugestehen. Um meinem Verständnis von Straßenfotografie gerecht zu werden, reinigte ich einige Straßenbeläge oder Fahrbahnmarkierungen vor der Aufnahme, um wichtige Details hervorzuheben. Entdeckte ich Fremdkörper, nutzte ich diese jedoch bewusst, um Spannung zu erzeugen oder Kontraste zu verstärken. Die Diversität meiner Aufnahmen ist darüber hinaus auch ein Produkt unterschiedlicher Entstehungszeiträume. Für einige Arbeiten benötigte ich mehrere Monate – für andere nur wenige Minuten. Um den perfekten Augenblick im Lebenszyklus eines Straßenbelags festzuhalten, suchte ich die optimale Tages- oder Jahreszeit des Aufnahmemoments sorgfältig aus. StreetArt vereint Fotografien, die im Streiflicht der Abendsonne leuchtende Asphaltstrukturen zeigen, oder solche, deren Reiz vom Türkis der blauen Stunde spürbar verstärkt wird.
Bildwerkstatt
StreetArt-Motive machen auch als Poster oder großformatiger Kunstdruck auf Aluminium-Verbundplatten eine gute Figur.
Fragen zu Formaten und Materialien per E-Mail und mit den E-Mail-Stichwort:
StreetArt Poster.


Dose in Asphalt
Bucks allererste Asphalt-Aufnahme . Aufgenommen vor rund 40(!) Jahren mit einer Kodak Instamatic.
Der ursprüngliche Papierabzug war lange Zeit verschollen, tauchte Jahre später wieder auf, wurde gescannt und verschwand danach erneut. Das zweite Mal auf einer Datensicherungs-CD.
Eigentlich war geplant, das Foto als Erstlingswerk im Bildband StreetArt vorzustellen. Genau das, soll hiermit nachgeholt werden. Was noch fehlt, ist ein passender Titel. Platte Pepsi oder Asphalt-Cocke vielleicht? Vorschläge per E-Mail sind willkommen.


StreetArt XXL-Poster
Vier Motive:
Alles Bio / Lindenblütenteer / Asphaltblues / StreetSquares
Format: 60 x 90 cm auf 200-g-Hochglanz-Posterpapier
Stückpreis: 49,50 Euro inkl. MwSt & Versand im Inland
Bildbeispiel mit den Motiven StreetSquares & Alles Bio
Alternativ:
Druck auf Aluminium-Verbundplatte / Preis auf Anfrage

PFUSCH MACHT KUNST
Frei nach der amerikanischen Autorin Pearl S. Buck, liegt die wahre Lebenskunst darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu entdecken. Doch trifft diese Aussage auch auf misslungene Baudetails zu? Durchaus! Mit den Wunderwaffen des digitalen Zeitalters sind wir in der Lage, jeden noch so großen Baupfusch optisch zu recyceln und in auffällige Kunstwerke zu verwandeln! Der entsprechende Beweis erfolgte in der LOOKatBUCKText- und Bildwerkstatt in Form einer mehrstufigen Metamorphose. Ein neuartiges Transformationsverfahren half dabei, die missglückten Arbeiten in einzigartige Kunstwerke umzuwandeln. Zu sehen sind sie auch in diesem Artikel.
Pfusch macht Kunst / Eine Vernissage der Extraklasse
Hier geht es zum entsprechenden Online-Artikel.
In der Presse erschienen
















